Willkommen in Sucre!

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Guten Morgen!

Endlich melde ich mich mal, nachdem die letzten Tage eher von „Party im Bauch“ geprägt waren. Jetzt nutzen Jessi (die in der Hängematte neben mir liegt) und ich den schönen Sonntagmorgen, um bei Papageiengezwitscher und Eukalyptusduft unseren ersten Blogartikel hier im Hostel von Sucre zu schreiben. Ich möchte euch eine kurze Zusammenfassung über die letzten Tage geben und dann über ein paar Dinge, die ziemlich überraschend, neu und faszinierend sind bzw. über meine ersten Eindrücke und Beobachtungen schreiben.

Nachdem wir am Montag Abend um zehn von Frankfurt nach Sao Paolo losgeflogen (12h) sind, sowie nochmal gute zwei Stunden nach Asunción (der kleinste Flughafen, den ich je gesehen habe), traten wir endlich den letzten Flug (1,45h) nach Santa Cruz in Bolivien an. Ab da gings mit dem ganzen Gepäck mit einem micro zu dem HI-Hostel in Santa Cruz. Am Abend tauchten wir in die kulinarische Welt Boliviens ein bei einigen Einführungsworten von Max, unserem Ansprechpartner in Bolivien. Am nächsten Tag traten wir die mit Abstand bequemste 14-stündige Busfahrt meines Lebens an. Die flota, in der sogar unser größter Mann (1,97m) bequem Platz fand, brachte uns sicher nach Sucre. Das Hostel hier (Kultur Berlin) ist super und versorgt uns, sofern unsere Mägen mitmachen, zweimal am Tag mit warmem Essen. In Sucre läuft der Visumsprozess (ca. 2 Wochen), aber der ist für euch bestimmt noch uninteressanter als für uns! Neben Behördengängen haben wir viel Freizeit und nutzen diese, um die Stadt zu erkunden, Märkte zu besuchen, auf den mirador (Aussichtsplattform) zu steigen, mit anderen Reisenden zu musizieren, schlafen, Kartenspielen …

Nun aber genug der Zusammenfassung, kommen wir zu kleinen Anekdoten und Eindrücken:

– Wenn man das Terminal, den großen Busbahnhof betritt, kommt man sich vor wie auf dem Hamburger Fischmarkt 😀 es wimmelt von Leuten, die lauthals ihre Busfahrt ankündigen oder dir Kleinigkeiten zum Essen verkaufen wollen.

– Wir Freiwilligen fallen hier allein schon wegen unserer Größe auf.

– Die Behördengänge ziehen sich nicht nur, es gibt auch Einiges zu erleben. So musste ich, als wir bei interpol (einer Behörde, die auf jeden Fall unsere Führungszeugnisse braucht und lediglich durch ein selbst gemachtes Pappschild angekündigt war) waren, erstmal DIN A4-Zettel dritteln, da leider keine Schere auffindbar war.

– In den kleinen micro passen, wenn man nur gut genug stapelt,  2 Gepäckstücke sowie das Handgepäck von 12 Personen und diese Personen selbst. Da kann es schon mal passieren, dass ein Gepäckstück vorne beim Fahrer auf dem Schoß landet und schnell wieder zurück gelegt werden muss.

– Juhuu, es gibt hier jeden Morgen Coca-Tee (schmeckt so ähnlich wie Kräutertee). Busfahrer oder Arbeiter mit einer Coca-Backe sind auch häufig anzutreffen.

– Die Märkte hier sind uuunglaublich: Der Markt mit Tüchern, Ponchos, Rucksäcken und Armbändern … ist sowieso der Hammer, aber auch die Gewürz- und Gemüseabteilung ist Wahnsinn. Die Tomaten zum Beispiel sind tiefrot, aber auch die Obstabteilung ist super. Soweit ich die Verkäuferin verstanden habe, kommt alles aus Bolivien. Leider liegt die Orange, die mich so angelächelt hat, immer noch auf dem Nachttisch rum, aus Angst, dass sich Montezuma schon wieder rächt.

– Toilettenpapier muss man hier generell selbst mitbringen, und es sollte auch in den dafür vorgesehenen Behälter und nichts ins Klo geworfen werden. Unglaublich, welche „Reflexe“ man doch hat … aber es ist alles eine Frage der Gewohnheit 🙂

– Sucre liegt auf 2.790 Höhenmetern und hat viele schöne weiße Bauten. Während man tagsüber im T-Shirt rumlaufen kann, ist es nachts wirklich sehr kalt. Häufig hupen Autos – zu welchem Zweck oder was damit kommuniziert werden soll, habe ich noch nicht ganz herausgefunden. Vielleicht heißt es, dass sie nicht anhalten werden, wenn ich jetzt gleich über die Straße laufe? Außerdem gibt es viele viele Straßenverkäufer, die in Mini-Wägen empanadas, frische Fruchtsäfte, Bonbons und Kaugummis und vieles mehr verkaufen. Und wenn mir nicht gerade neue interssante Dinge in dieser tollen Stadt auffallen, dann gibt es auf jeden Fall einen Straßenhund, der dich verfolgt und auf Essen hofft. Einmal habe ich sogar eine kleine Fleisch“ansammlung“ auf der Straße gesehen, die wohl extra für diese vielen Hunde war.

– Auf dem Weg von Santa Cruz nach Sucre gibt es sowohl gut geteerte Straßen, aber auch solche, die eher einer Schotterpiste gleichen. Nachts darauf zu fahren hat sich angehört wie ein starker Prasselregen, nur dass es kein Regen war, sondern Steine und dass diese nicht von oben, sondern von unten auf den Bus trafen. Zum Glück war es dunkel und die Straßen breit, sonst hätte man glatt ein wenig Angst vor dem „Abgrund“, der sich ab und an auftat, haben können.

– Straßenblockaden scheinen hier auch keine Seltenheit zu sein. Gleich am Terminal in Sucre wurden wir gefragt, wohin wir denn wollen, weil nach Potosí komme man heute schon mal nicht, da mineros (Personen, die in den Stollen von Potosí arbeiten) protestieren würden. Wie lange die Blockade dauert, wisse man auch nicht.

So, das waren nun ein paar der vielen vielen Eindrücke, die wir hier in weniger als einer Woche gewinnen durften. Ich freu mich, wenn wir noch mehr mit Leuten ins Gespräch kommen, was auch schon jetzt immer besser klappt. Jetzt werde ich noch Fotos raussuchen, vielleicht ein paar Vokabeln lernen und heute Mittag zu den Wasserfällen marschieren. (Letzteres haben wir doch nicht gemacht.)

Bis bald, Ann-Sophie

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